Praxisbesuch in Oslo - Bericht von Dana Geisthardt

Über das 1. Maiwochenende dieses Jahres hatte ich Gelegenheit, eine Schülerin aus der Erz 13 A in ihrem Praktikum an einer Grundschule in Oslo zu besuchen.

Gegen Mittag stieg ich aus dem Linienbus in Oslo/ Björndal und auf der gegenüberliegenden Straßenseite strahlte mir sofort ein, in typischem norwegerrot gebautes Schulgebäude entgegen. Mit meinem Rollköfferchen bewaffnet, erklomm ich den kleinen Anstieg und hinter der Turnhalle eröffnete sich der Blick auf eine ganze „Schulhauslandschaft“ – in nordisch-rot, versteht sich.

Der erste Eindruck

Kurz vor der Mittagspause begrüßte mich die Schülerin vor dem Hauptgebäude und stellte mir sogleich ihre Klasse der Jahrgangsstufe 4 vor. Von ca. 30 Schüler und Schülerinnen sahen etwa 2 wie „echte“ Norweger aus. Diese Schule hat einen enormen Anteil an Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund, das wusste ich, aber diese Überzahl überraschte mich doch. Ansonsten konnte ich feststellen, dass Viertklässler in Norwegen genauso fröhlich, laut und bewegungsfreudig sind, wenn es in die Pause geht, wie bei uns in Berlin.

Musikunterricht

Aufgeregt teilte mir die Schülerin mit, dass ihr Unterricht an diesem Tag noch nicht beendet ist und ich bei der nachfolgenden Musikstunde dabei sein und hospitieren dürfe. Nun konnte ich die musikalischen Kompetenzen der Schülerin in Verknüpfung mit verschiedenen Methoden der Vermittlung kennenlernen und beobachten. Ein Mädchen spielte auf dem Klavier ein Lied vor. Unsere Schülerin erklärte dem Mädchen Aufbau und Struktur eines Volksliedes anhand der Tastatur. Das Mädchen selbst sprach nur im Flüsterton, unsere Schülerin plauderte dagegen munter – auf Norwegisch. Abgesehen davon, dass die Sprache allgemein sehr lustig in meinen deutschen Ohren klingt, war ich beeindruckt von der Leichtigkeit, wie dieses Schüler-Betreuer-Lerngespräch so vor sich ging. Anschließend probierte die Schülerin noch die Gitarre aus und wir erfreuten uns an den erzeugten Klängen.

Nach dieser Unterrichtseinheit wurde ich der großen Lehrergemeinschaft vorgestellt. In einer hellen Cafeteria sah ich mich plötzlich mit den Kollegen der Schülerin und dem stellvertretenden Schulleiter plaudern. „Hei, hei“ ist norwegisch und heißt so viel wie Hallo. Der Rest des „Geplauders“ fand in Englisch statt, versteht sich. Das ist für Norweger ja weniger ein Problem als für eine Lehrerin wie mich aus den „neuen Bundesländern“.

Die Schule

Die Schülerin strahlte und freute sich offensichtlich sehr, dass sie mir ihre Kollegen, später alle Schulgebäude und ihren momentanen Wirkungsort zeigen konnte. Vor jedem Lehrerzimmer wurde Halt gemacht und ich immer herzlich mit „Hei, hei“ begrüßt. Mir wurde der Arbeitsplatz gezeigt, den sie mit ihren beiden Kollegen teilt, die ebenfalls in der 4. Jahrgangsstufe arbeiten. Hier hatte sie alle Möglichkeiten der Vor- und Nachbereitung, Platz für den eigenen PC und Reflexionsgespräche mit der Anleitung. Auf dem gleichen Gang saßen alle anderen Kollegen, waren mehrere Kopiermöglichkeiten und Regale mit Materialien und es sah nach einem fröhlichen und sehr gesunden Schulbetrieb aus. In einem anderen Gang befanden sich die Schulleitung, Stellvertretung, Koordinatoren sowie das Sekretariat. Überall überraschten mich die herzlichen Begegnungen und ein offensichtliches Interesse an dem deutschen Besucher, trotz laufendem Schulbetrieb und der allgemein bekannten Hektik in Grundschulen.

Später an diesem Tag liefen wir über das Schulgelände und besichtigten das Schulhaus für die 4. Jahrgangsstufe. Ein ganzes Haus mit eigenen Klassenräumen, Räumen für Gruppenarbeiten und Toiletten, die nur für Viertklässler sind. Ich nehme an, eine große Erleichterung für Schüler, Eltern und Lehrer, wenn es um das Thema Schultoiletten geht! Die Räumlichkeiten bieten viel Platz für kreative Lernprozesse und ein hauseigener Spielplatz hinterm Haus macht das Bild komplett. Ich wäre jetzt gern noch einmal Grundschülerin (und das sage ich wirklich nicht häufig!).

Am nächsten Tag haben wir über die Zielsetzung ihres Praktikumsaufenthaltes nachgedacht, über Unklarheiten und Unsicherheiten gesprochen. Auch über die Schwierigkeit, in einem fremden Land mit Kindern zu arbeiten, die zunächst sehr hilfsbereit sind, wenn es darum geht, die neuen Worte zu lernen. Aber natürlich bleiben sie Kinder und stellten ebenso schnell fest, dass man Grenzen noch besser an Praktikantinnen aus dem Ausland testen kann, weil diese manche Worte und deren Bedeutung noch nicht sofort erfasst.

Auslandspraktikum - eine Herausforderung!

Ein Praktikum im Ausland klingt zunächst für viele SchülerInnen sehr verführerisch. Hier wurde ich auch mit einer anderen Seite konfrontiert. Eine Seite nämlich, die neben der eigenen Motivation, sehr viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen, aber auch Selbstorganisation über den Arbeitstag hinaus erfordert. Wie erholt und entspannt man sich, wenn einem in den ersten Wochen der Kopf schwirrt. Die ganzen neuen Eindrücke, neue Menschen, neue Umgebung muss erfasst werden, das Gehirn soll sich auch noch all die neuen Vokabeln merken und die Muttersprache vermischt sich plötzlich mit englisch und norwegisch. Den Kopf aus einem Ameisenhaufen zu ziehen, kann nicht weniger anstrengend sein. Das offene und kontaktfreudige Wesen unserer Schülerin haben ihr sicher diesbezüglich über so manche Hürde geholfen. Dennoch spürte ich ihre Anstrengung der Anfangsmonate, froh und ein wenig stolz, bis hierher überhaupt gekommen zu sein und Erleichterung, sich nun mit mir über dieses und jenes austauschen zu können.

Oslo

Natürlich habe ich auch noch etwas von der Stadt Oslo gesehen, mir von der Schülerin die wichtigsten Sehenswürdigkeiten zeigen lassen und den Oslo-Fjord bewundert. Sie erzählte dabei, wie positiv sie häufig die Einstellung der Norweger erlebt. Im Gespräch mit Kollegen und Freunden der Schülerin konnte ich diese Beobachtung bestätigen. Osloer erfreuen sich an ihrer neuerbauten Oper mitten auf dem Wasser, an den noch entstehenden Neubauten mitten im Stadtzentrum und erfreuen sich sogar, wenn ein Kollege einen freien Tag in Aussicht hat. Ich erwische mich bei dem Gedanken, dass ich kaum jemanden aus meinem Bekanntenkreis kenne, der sich am momentanen Bau des Stadtschlosses erfreut, vom Flughafen wollen wir gar nicht erst sprechen und ich muss gestehen, dass auch mir eine so positive Freude auf einen bevorstehenden freien Tag meiner KollegInnen nicht so einfach über die Lippen kommen würde.

Einschätzung

Abschließend stelle ich also fest: Schön, so eine Zeit in einem anderen Land. Schön, wenn man von einer anderen Kultur (auch wenn sie sich auf den ersten Blick nicht so viel von unserer unterscheidet) den Eindruck erhält, dass man etwas Neues gelernt und für sich mitgenommen hat. Nach nur 2 Tagen in Oslo blicke ich nun anders auf meine Heimatstadt Berlin – positiver irgendwie.

Noch schöner sicherlich, wenn man nach 5 Monaten zurückblicken kann auf viele positive Erfahrungen, eigene Anstrengungen und persönliche Erkenntnisse und Erfolge und einen Rucksack voller neuer kultureller und in diesem Fall auch bildungspolitischer Abenteuer.

Aktuelles an der Fachschule Erzieher Berlin

Erstes Weihnachtssingen der Semper Schulen Berlin 2016

Schulkultur muss gelebt werden

weiterlesen

Semper Gruppe - Wir begleiten Sie ein Leben lang

"Zum Lernen ist niemand zu alt." Die Semper Schulen begleiten Sie deshalb auf Ihrem Bildungsweg lebenslang - von klein auf bis ins hohe Alter.

Von der Schulbildung über die Berufsausbildung bis hin zur Erwachsenenbildung bieten unsere deutschlandweiten Bildungseinrichtungen Ihnen Wissen auf höchstem Niveau.

Die Semper Gruppe

Grafik der Semper-Gruppe mit mehreren Menschen in Orange